Ein guter Ton ist Goldes wert
Am deutschlandweiten “Tag der offenen Töpferei” beteiligten sich auch vier Töpfereien aus dem Landkreis Hildburghausen. Der Zuspruch war groß.Römhild / Haina / Sülzdorf – “Der Ton macht die Musik” sagt der Volksmund. Und meint damit vorrangig die Musik, im übertragenen Sinn auch das gute Benehmen. Bei den Töpfern jedoch – oder besser bei den Keramikern, wie sie lieber genannt werden wollen – ist dies durchaus wörtlich gemeint. Denn alles hängt von einem guten Ton, diesem lehmigen Werkstoff, ab, aus dem sie ihre kleinen Kunstwerke schaffen.

Am 8. Tag der offenen Töpferei beteiligte sich auch Ingo Müller mit seiner “Töpferei im scharfen Wind” Haina. Foto: W. Swietek
Auf den Ton kommt es an
Auch die Frage nach dem Ton und Lehm beantwortet er seinen Besuchern geduldig. “Lehm ist etwas feiner, es ist ein aufgeschwemmter Ton, der meist für die Glasur verwendet wird”, weiß der Töpfer, der seine Stücke zweimal brennt. Zunächst das Werkstück gleich nach seiner Herstellung, und dann noch einmal nach dem Glasieren. Und das bei 1200 Grad Celsius. Die Glasur trägt er erst auf, wenn er weiß, welche Farbe der Kunde wünscht. “Jedes Stück in allen Farben auf Vorrat zu haben, dafür reicht mein Lager nicht aus”, sagt er zur Erklärung.

Da macht das Frühstück gleich gute Laune: Küchengeschirr in fröhlichen bunten Farben zeigte Keramikerin Simone Graßmann aus Sülzdorf. Foto: W. Swietek
Töpfer-Olympiade
Die Klinke in die Hand geben sich die Besucher auch in der Töpferei Markus Weingarten in Römhild. Jutta und Peter Fischer aus Coburg haben den Termin aus der Neuen Presse erfahren und sind so nach Römhild gekommen. Zum dritten Mal führt Markus Weingarten an diesem Wochenende seine Töpferolympiade durch. Die Spielregeln sind einfach – jeder kann sich für einen symbolischen Preis von zwei Euro selbst an die Töpferscheibe setzen. Das beste Stück, das dabei entsteht, wird prämiert. Die eingenommenen Startgelder kommen einem sozialen Zweck zugute. Im vorigen Jahr erhielt der Kindergarten 200 Euro, in diesem Jahr kann sich die Stiftskirche Römhild über 130 Euro freuen. Die weiteste Anreise aller “Olympiateilnehmer” hatte sicher Richard Pfaff aus Hanau (Hessen).

Tina Hebenstreit (links) aus Hildburghausen hatte den Mut, sich selbst an die Töpferscheibe zu setzen, Anleitung gibt ihr die Keramikerin Ramona Grimm. Foto: W. Swietek
Übung macht den Meister
Tina Hebenstreit aus Hildburghausen ist eine der Mutigen, die sich an die Töpferscheibe setzen. Viele Jahre ist es her, dass sie als Kind schon einmal Gelegenheit dazu hatte, sich in den Grundzügen des Töpferns zu probieren, wie sie erzählt. Fragen über Fragen der Besucher muss Keramikerin Ramona Grimm beantworten, während sie das nächste Stück Ton auf die Scheibe legt und zu drehen beginnt. Es sei ein vielseitiger Beruf, in dem hier im Töpferhof auch wieder ausgebildet wird. Neben der künstlerischen Betätigung sei es auch von Vorteil, Sprachen wie Englisch oder Französisch zu beherrschen, da der Töpferhof mit seinen Produkten auf internationalen Messen in Frankfurt am Main, Salzburg und Mailand, Leipzig, München und Hamburg ausstellt. Und dort werde dann meist englisch gesprochen.
Von Wolfgang Swietek
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Tags:Haina, Römhild, Sülzdorf, Tag der offenen Töpferei
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